Die Französische Revolution | Terror
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Terror


Die Schreckensherrschaft


TerrorDie Revolutionäre des Jahres 1793 setzten den Terror auf die Tages­ordnung. Mit den Mitteln der Todesangst sollte der Kampf um die gewonnene Macht der Republikaner gegen ihre Feinde gewonnen werden. Organe des Terrors waren der Wohlfahrts­ausschuss, der Sicherheits­ausschuss, das Revolutionstribunal, aber auch der Nationalkonvent, der die Politik des Schreckens bis zum 9. Thermidor regelmäßig legitimierte. Anders als heute – wo der Vorwurf des Terrorismus gegen Staatsfeinde eingesetzt wird – hatte der Begriff in der Hochphase der Revolution eine positive Bedeutung und wurde von staatlicher Seite offen benutzt. Als Großer Terror wird die kurze Phase zwischen dem 10. Juni und 27. Juli 1794 bezeichnet, in dem das so genannte Schreckensgesetz vom 22. Prairial galt. Diese extreme Ausuferung der Schreckenspolitik war einer der Gründe für den Sturz Robespierres, der den Terror in seinen viel beachteten und umjubelten Reden ideologisch gerechtfertigt hatte.



Zitate

Die Freiheit muss durch Gewalt begründet werden, und es ist jetzt der Augenblick gekommen, da man den vorübergehenden Despotismus der Freiheit einrichten muss, um den Despotismus der Könige zu vernichten.
Marat über den Wohlfahrts­ausschuss, 6. April 1793

Setzen wir den Schrecken auf die Tagesordnung, und mit einem Schlage werden sowohl die Royalisten wie die Gemäßigten und die ganze konterrevolutionäre Rotte, die euch beunruhigt, verschwinden! Die Royalisten wollen Blut? Nun wohl, sie sollen das der Verschwörer, der Leute wie Brissot und Marie Antoinette fließen sehen...
Bertrand Barère am 5. September 1793

Als verdächtig gelten: […] die wegen Vergehen Angeklagten, selbst wenn sie freigesprochen sind.
Gesetz gegen die Verdächtigen, 17. September 1793

Terror – ohne ihn ist die Tugend machtlos. Tugend – ohne sie ist der Terror verderblich.
Robespierre über die Notwendigkeit der Schreckensherrschaft

Die revolutionäre Regierung schuldet allen guten Bürgern den ganzen Schutz der Nation; den Feinden des Volkes schuldet sie den Tod.
Robespierre, 25. Dezember 1793 (4. Nivôse II)

Nichts von Frieden, keinen Waffenstillstand mit den Despoten, keine Gnade, keine Amnestie für Verschwörer und Verräter – das ist der Ruf des Volkes!
Georges Couthon in einem Brief vom 4. Pluviôse II (23. Januar 1794)

Ich zürne mir selbst, das gebe ich heute offen zu, dass ich seinerzeit sowohl die revolutionäre Regierung als auch Robespierre, Saint-Just und andere negativ beurteilt habe. [...] Ich glaube, dass diese Männer für sich allein genommen mehr wert waren als alle Revolutionäre zusammen und dass ihr diktatorisches Regierungssystem ungemein gut ausgedacht war.
Gracchus Babeuf ein Jahr nach dem Sturz Robespierres


Fundstellen

Die gesamte Regierungspolitik stützte sich hauptsächlich auf den Terror, der nur durch den Krieg erträglich gemacht war. Zugleich aber zerstörte der Terror das Ansehen des Regimes in den Gemütern.
Albert Mathiez: Die Französische Revolution II, S. 625

Mit den Septembermorden von 1793 hat sich die Bergpartei diese Forderung des Volkes nach Terror zunutze gemacht, um den Regierungskurs zu radikalisieren. Sie lenkt den spontanen Volksterror, der das Besitzbürgertum und die wohlhabenden Bauern sehr bedroht, in legale Bahnen.
Jean-Paul Bertaud: Alltagsleben während der Französischen Revolution, S. 247

In den Polizeiberichten des Jahres II findet sich neben den vielen Bezeichnungen, die der Volksmund für die Guillotine kennt, auch häufig der Ausdruck die heilige Guillotine. Wie die Pike, so ist auch die Guillotine ein Symbol für die Volkssouveränität, sie ist die Waffe, mit der man die Feinde der Sansculotten vernichtet oder ihnen zumindest Angst einjagt.
Jean-Paul Bertaud: Alltagsleben während der Französischen Revolution, S. 246

Das revolutionäre Frankreich hätte die Schreckens­herrschaft nicht hingenommen, wäre es nicht überzeugt gewesen, dass der Sieg ohne eine zeitweilige Aufhebung der bürgerlichen Freiheiten unmöglich sei.
Albert Mathiez: Die Französische Revolution II, S. 629

An allen Tagen, ausgenommen am Decadi, ist die Guillotine unaufhörlich in Tätigkeit. Der tägliche Durchschnitt der Hinrichtungen beläuft sich auf 31. Sein schwindelerregendes Anwachsen ist zweifellos dem Gesetz vom 22. Prairial zuzuschreiben.
Octave Aubry: Die Französische Revolution II, S. 230 f.


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