Die Französische Revolution | 9. Thermidor
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9. Thermidor


Wendepunkt der Revolution


9. ThermidorDer 9. Thermidor steht für ein perfekt inszeniertes Parlaments­drama. Maximilien Robespierre, von vielen als Diktator angesehen, wurde im Verlauf einer hitzigen Sitzung zusammen mit Saint-Just, Couthon, Philippe Lebas und Augustin Robespierre verhaftet. Die oberste Devise der an diesem Komplott beteiligten Abgeordneten war, den Unbestechlichen unter keinen Umständen zu Wort kommen zu lassen. Robespierre und seine Mitverschworenen wurden am folgenden Tag unter dem Jubel des Volkes auf dem Platz der Revolution guillotiniert. Mit diesem Tag endete die Schreckens­herrschaft. Die Revolution hatte ihren Höhepunkt überschritten. Viele Historiker sehen an diesem Tag die Französische Revolution beendet.



Zitate

Ich gehöre keiner Faktion an, ich werde sie alle bekämpfen. Der Lauf der Dinge hat es gewollt, dass diese Rednertribüne vielleicht der tarpejische Felsen für den war, welcher Ihnen sagte...
Die ersten Sätze von Saint-Just in seiner Rede am 9. Thermidor, bis er von Tallien unterbrochen wurde

Ich habe mich mit einem Dolch bewaffnet, der die Brust dieses Mannes durchbohren wird, falls der Konvent nicht den Mut hat, seine Verhaftung anzuordnen.
Tallien am 9. Thermidor (er meint Robespierre)

Ich wollte auf den Thron steigen, ich?
Couthon mit einem Blick auf seine gelähmten Beine, nachdem Fréron ihn am 9. Thermidor vorgeworfen hatte, er wolle aus den Leichen der Volksvertreter Stufen machen, um den Thron zu besteigen.

Du erhältst das Wort erst, wenn du an der Reihe bist.
Thuriot als Parlamentspräsident am 9. Thermidor zu Robespierre

Die Republik ist verloren. Die Räuber triumphieren.
Robespierre, als er als Verhafteter aus dem Parlament geführt wird

Bürger, der Augenblick ist gekommen, um auf unserem Posten zu sterben!
Collot d'Herbois in seiner Funktion als Präsident des Nationalkonvents am 9. Thermidor, als die Nachricht hereinkam, dass sich Truppen der aufständischen Kommune auf den Konvent zubewegen.

Das Haupt der Verschwörer ist gefallen! Lasst uns zu unseren Mitbürgern stoßen, teilen wir die allgemeine Fröhlichkeit. Der Todestag eines Tyrannen ist ein Fest für die Brüderlichkeit!
Tallien vor dem Konvent, kurz nachdem Robespierre auf dem Platz der Revolution hingerichtet wurde

Die Kraft der Revolutionsregierung wird durch den Sturz des Tyrannen, der ihre Tätigkeit hemmte, verhundertfacht werden.
Barère am 10. Thermidor (28. Juli 1794). Schon kurz danach wurde beschlossen, ein Viertel der Ausschussmitglieder monatlich neu zu wählen – dadurch wurde die Stabilität der Regierung wesentlich geschwächt.

O armes Volk, das goldene Zeitalter ist beendet,
dich erwartet nur noch Hunger und Not.
Der 10. Thermidor hat es gewendet:
Robespierre ist tot!

Lied des Dichters Sylvian Maréchal, Anfang 1796


Fundstellen

Robespierre hatte außerdem […] erfahren, dass Amar und Voulland am 5. Thermidor die verhafteten girondistischen Deputierten im Gefängnis besucht und ihnen allerhand Aufmerksamkeiten erwiesen haben: Hält man eure Korrespondenz zurück? Verweigert man euch alle Dinge, die das Leben angenehm machen, wie Kaffee, Sirup, Schokolade und Früchte? Wird eure Stellung hier verkannt? Und als sie hörten, dass die Deputierten die gleich Behandlung wie die anderen Gefangenen erfuhren, habe Amar Tränen vergossen und gesagt: Das ist ein schauderhaftes Verbrechen!
Albert Mathiez: Die Französische Revolution II, S. 661 (über die Versuche des Sicherheits­ausschusses unmittelbar vor dem 9. Thermidor, Verbündete gegen Robespierre zu gewinnen)

[…] doch so vieles, was an dem 9. Thermidor chaotisch wirkte, verlief nach einem wohlerwogenen Plan, dem die Verschwörer genau folgten. Sie alle wussten, dass es von entscheidender Wichtigkeit war, Robespierre nicht an das Rednerpult gelangen zu lassen. Auf keinen Fall sollte er noch Gelegenheit zum Sprechen finden.
Stanley Loomis: Ein Jahr, zwei Wochen und ein Tag, S. 347

Als am 10. Thermidor die Deputierten des Konvents die Tuilerien verließen, zeigten ihnen die Akklamationen des Volkes, dass sie soeben der Schreckens­herrschaft ein Ende gesetzt hatten. Sie waren darüber bass erstaunt, denn sie hatten Robespierre nicht getötet, um das Regime zu ändern, sondern um nicht selbst getötet zu werden, wobei ihre grundverschiedene Koalition nur durch Angst und Rachsucht zusammengehalten hatte.
Pierre Gaxotte: Die Französische Revolution, S. 357

Nun hatten die Thermidor-Männer den Terror in der Hand. Sie befreiten ihre Anhänger aus den Gefängnissen und füllten diese mit den Parteigängern Robespierres. Gefangene der von ihnen entfesselten Reaktion, werden sie weiter getrieben, als sie wollen. Viele unter ihnen werden an ihrem Lebensabend ihre Teilnahme am 9. Thermidor bereuen. Sie hatten in Robespierre die demokratische Republik für ein Jahrhundert getötet.
Albert Mathiez: Die Französische Revolution II, S. 669

Vielleicht hätte man sich den 18. Brumaire sparen können, wenn man sich den 9. Thermidor gespart hätte.
Jean Massin: Robespierre, S. 405


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