Eulogius Schneider war Deutscher. Aber das hinderte ihn nicht daran, bei der Revolution in Frankreich tatkräftig mitzumischen. Er regierte eine Zeitlang wie ein Provinzdiktator auf der französischen Seite des Rheins – als Prediger im Straßburger Münster, Bürgermeister in Hagenau und Ankläger beim Elsässer Revolutionstribunal. Mit der Beantragung von Todesurteilen war er wenig zimperlich. Doch sein Hang zur Selbstdarstellung wurde dem Schlächter von Straßburg zum Verhängnis. Unmittelbar nach der Feier seiner protzigen Hochzeit ließen ihn die Konventsbeauftragten Saint-Just und Lebas verhaften. Vier Stunden lang musste er die Dezemberkälte auf dem Marktplatz von Straßburg ertragen – angebunden an genau die Guillotine, mit der seine vielen Todesurteile vollstreckt wurden. Vier Monate später fiel sein eigener Kopf auf dem Revolutionsplatz in Paris. JK
1756 - 1794
20. Oktober 1756 · Geburt in Wipfeld am Main als Johann Georg Schneider, Sohn eines Winzers und dessen Ehefrau.
April 1777 · Eintritt in den Franziskanerorden Bamberg. Er nimmt den Ordensnamen Eulogius an.
1780 · Priesterweihe in Salzburg.
1786 · Hofprediger am württembergischen Hof unter Herzog Carl Eugen. Wegen Schneiders Sympathie mit den Ideen der Aufklärung kommt es zu Streitigkeiten.
1789 · Schneider wird Professor für Literatur und Schöne Künste an der Universität Bonn. Er hat dort großen Erfolg mit seinen Vorlesungen. Zu seinen Schülern gehört auch Ludwig van Beethoven.
1791 · Schneider verliert nach der Veröffentlichung einer aufklärerischen Schrift seine Professur. Er flieht nach Straßburg, das mittlerweile zu einem Zufluchtsort zahlreicher deutscher Emigranten geworden ist, und erhält dort eine Anstellung als Vikar am Straßburger Münster. Schneider schließt sich den radikalen Jakobinern im Elsass an.
3. Juli 1792 · Erste Ausgabe der Zeitschrift Argos, in der er für die Hinrichtung von Louis XVI eintritt.
14. September 1792 · Kommissarischer Bürgermeister von Hagenau (bis Dezember 1793).
19. Februar 1793 · Öffentlicher Ankläger am Kriminalgericht des Departements Bas-Rhin.
29. Oktober 1793 · Öffentlicher Ankläger am Revolutionsgericht für das Elsass. Er bewirkt über 30 Todesurteile.
14. Dezember 1793 · Eulogius Schneider wird unmittelbar nach seiner Heirat mit Sara Stamm verhaftet.
15. Dezember 1793 · Er wird dem Volk auf dem Paradeplatz in Straßburg (heute Place Kléber) als Revolutionsfeind präsentiert, gefesselt an die Guillotine.
1. April 1794 · Todesurteil und Hinrichtung in Paris.
Zitate
Harret aus, kämpft, arbeitet, bis der Freiheitsbaum, benetzt mit dem Blut unserer Helden, weit und breit seine Äste ausdehnt, so dass alle Nationen der Erde sich unter seinem Schatten erquicken. Aus einer Predigt von Eulogius Schneider, 1791
Glauben wir nicht an die kosmopolitischen Scharlatane und vertrauen wir nur auf uns selbst. Saint-Just und Lebas aus Straßburg an Robespierre, 14. Dezember 1793
Es ist unmöglich, den Feinden der Republik gegenüber nachsichtiger zu sein, als mich zu töten. Die letzten Worte von Eulogius Schneider