Prieur wurde schon in der Nationalversammlung von vielen nur Crieur (Schreihals) genannt. Denn seine Attacken auf die Monarchie waren scharf. Er machte nie einen Hehl daraus, was er von der Monarchie hielt. Sein Votum im Königsprozess: Tod ohne Aufschub oder irgendwelche Bedingungen. Als Mitglied im allmächtigen Wohlfahrtsausschuss machte er in Paris kaum von sich reden, denn er war die meiste Zeit auf Mission – so auch am 9. Thermidor, als Robespierre stürzte. Als Parteigänger des Unbestechlichen wurde er aus dem Wohlfahrtsausschuss gewählt. Erstaunlicherweise gelang ihm kurze Zeit später die Wiederwahl in das Komitee. Nach dem Prairialaufstand musste er sich vorübergehend verstecken. Als der auseinandergehende Konvent die Generalamnestie aussprach, konnte er sich wieder zeigen. Er zog sich jedoch aus der Politik zurück. 1816 musste er als Königsmörder Frankreich verlassen. Er starb verarmt in der Verbannung in Brüssel.
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1756 - 1827
1. August 1756 · Geburt in Sommesous (heute Departement Marne).
24. März 1789 · Wahl zum Abgeordneten des Dritten Stands in die Generalstände.
1791 · Nach der Flucht des Königs fordert er die Abschaffung der Unverletzlichkeit des Königs und die Möglichkeit seiner Absetzung.
8. September 1791 · Wahl zum Mitglied der Verwaltung des Departements Marne.
11. November 1791 · Ernennung zum stellvertretenden Staatsanwalt in Paris.
3. September 1792 · Wahl zum Abgeordneten des Departements Marne in den Nationalkonvent.
Januar 1793 · Bei der Abstimmung über das Schicksal von Louis XVI spricht sich Prieur für die bedingungslose Todesstrafe aus.
10. Juli 1793 · Wahl in den Wohlfahrtsausschuss. Er unternimmt Missionen zu den Armeen und in die Bretagne, wo er die Terrorpolitik durchsetzt.
27. Juli 1794 · Während Robespierres Sturz ist Prieur nicht in Paris. Anschließend scheidet er vorübergehend aus dem Wohlfahrtsausschuss aus. Im Oktober wird er wiedergewählt.
1. April 1795 · Er unterstützt die Aufständischen bei der Germinalerhebung und fordert die Freilassung der seit dem 9. Thermidor inhaftierten Revolutionäre.
20. Mai 1795 · Prieur beteiligt sich am Prairialaufstand. Nach dessen Scheitern wird er angeklagt. Er taucht unter.
Oktober 1795 · Er profitiert von der Generalamnestie des auseinandergehenden Konvents, zieht sich aber aus der Politik zurück und wird wieder als Anwalt in Paris tätig.
Januar 1816 · Prieur wird als Königsmörder aus Frankreich verbannt und zieht nach Brüssel.
31. Mai 1827 · Tod in Brüssel.
Pierre-Louis Prieur wurde 70 Jahre alt.
Zitate
Er war ein Anwalt von stattlicher Erscheinung und ein glühender Revolutionär. Er ergriff häufig das Wort und gehörte zu jenen Agitatoren, die durch spontane Ausfälle und heftige Wortmeldungen auffielen. Man nannte ihn den ‚Schreier der Marne‘. Thibaudeau über Prieur
Das ganze Volk hat Louis der Verschwörung gegen die Freiheit des Volkes angeklagt; das Gesetz hat das Übrige getan: Es hat die Todesstrafe gegen Verschwörer verhängt. Ich spreche diese Strafe mit Bedauern aus; doch als ungerührtes Organ des Gesetzes spreche ich die Todesstrafe aus. Prieurs Votum im Königsprozess, Januar 1793
Wir lassen die eidverweigernden Priester mit großem Nachdruck verfolgen. Einige sind bereits gefasst worden; wir hoffen, auch die übrigen zu erwischen. Prieur in einem Brief aus Dinan an den Wohlfahrtsausschuss, 16. Januar 1794