Vor der Revolution war Lecointre Tuchhändler in Versailles. Deshalb kannte er die Ausschweifungen des Hofes aus nächster Nähe. Der Luxus des Ancien Régimes machte ihn zu einem erbitterten Gegner der Aristokratie. Im Nationalkonvent verlangte er den bedingungslosen Tod des gestürzten Königs, im Prozess gegen die ehemalige Königin trat er als Zeuge gegen sie auf. Nieder mit den Tyrannen! Doch Lecointre hasste nicht nur die Tyrannei der alten Ordnung. Als er erkannte, dass die revolutionären Ausschüsse nach unumschränkter Macht griffen, stellte er sich gegen die Führung der Republik. Ganz offen zeigte er auf dem Fest des Höchsten Wesens Robespierre seine Verachtung. Nach dessen Sturz forderte er Gerechtigkeit – vergeblich. Die Thermidorianer rächten sich auch an ihm: an einem Revolutionär, dem es immer um Freiheit ging, niemals um Macht.
Sprich mit Lecointre!
Frage →
Gib oben deine Frage ein.
· Unterstützt von Künstlicher Intelligenz (OpenAI) ·
1742 - 1805
1. Februar 1742 · Geburt in Versailles als Sohn eines Tuchhändlers. Laurent übernimmt später das Geschäft seines Vaters.
17. Juli 1791 · Nach dem Massaker auf dem Marsfeld vermittelt Lecointre dem gefährdeten Robespierre eine Unterkunft bei dem Tischler Duplay.
September 1791 · Wahl als Abgeordneter für das Département Seine-et-Oise in die Gesetzgebende Versammlung.
September 1792 · Lecointre wird Abgeordneter im Nationalkonvent für das Département Seine-et-Oise.
Januar 1793 · Er stimmt für den Tod des Königs ohne Volksbefragung und ohne Aufschub.
14. Oktober 1793 · Lecointre erscheint als erster Zeuge im Prozess gegen Marie Antoinette. Er berichtet von ausschweifenden Nächten im Grand Trianon und prangert die Verschwendungssucht des Hofes an.
8. Juni 1794 · Auf dem Fest des Höchsten Wesens in Paris bezeichnet er Robespierre mehrmals als Diktator und Tyrannen.
10. Juni 1794 · Lecointre verlangt im Konvent vergeblich eine Vertagung der Verabschiedung des Prairialgesetzes, welches den Terror nochmals verschärft.
27. Juli 1794 · Er beteiligt sich aktiv an der Verschwörung gegen Robespierre.
29. August 1794 · Lecointre beschuldigt vor dem Konvent sieben ehemalige Mitglieder der Ausschüsse, während der Schreckensherrschaft zahlreiche Verbrechen begangen zu haben. Doch sein Antrag auf Untersuchung der Vorwürfe wird vom Konvent nicht angenommen.
3. September 1794 · Lecointre wird aus dem Jakobinerklub ausgeschlossen.
5. April 1795 · Er wird wegen Unterstützung des Germinal-Aufstands verhaftet – zusammen mit den Abgeordneten, die er im August 1794 noch angegriffen hatte.
26. Oktober 1795 · Der auseinandergehende Nationalkonvent erklärt eine Generalamnestie für alle Verbrechen im Zusammenhang mit Revolution. Auch Lecointre profitiert davon. Er wird freigelassen.
15. Mai 1799 · Lecointre wendet sich mit einer Petition an den Rat der Fünfhundert. Er fordert darin eine Reduzierung der Bezüge der Abgeordneten.
Dezember 1799 · Lecointre stimmt als einziger Einwohner von Versailles gegen die Konsulatsverfassung Napoleons.
4. August 1805 · Tod in Guignes.
Zitate
Robespierre, dein Fest gefällt mir, aber dich verabscheue ich! Lecointre auf dem Fest des Höchsten Wesens, 8. Juni 1794
Unseren Kollegen und Mitbürgern ist vorzuwerfen […], dass sie Frankreich mit Gefängnissen, mit tausend Bastillen überzogen haben; […] Aus der Anklagerede Lecointres vom 29. August 1794
Ich bin Bürger, ich bin Vater, ich bin mutig. Lecointre in einer Petition an den Rat der Fünfhundert, 15. Mai 1799