Die Girondisten prägten zwischen 1791 und 1793 die Politik Frankreichs. Ihr Programm war Freiheit, Eigentum und eine republikanische Ordnung. Sie misstrauten dem wachsenden Einfluss der Pariser Volksmassen. Doch ihre Politik war widersprüchlich. Die bürgerlichen Abgeordneten trieben Frankreich leichtfertig in den Krieg, fanden keine einheitliche Linie im Königsprozess und griffen zum Schluss die mächtige Pariser Kommune an. Im Nationalkonvent standen sie den radikalen Montagnards um Robespierre und Marat gegenüber. Es war ein klassischer Konflikt: Die Girondisten wollten die Republik stabilisieren, die Montagnards wollten die Revolution weitertreiben. Nach dem Aufstand vom 31. Mai bis 2. Juni 1793 wurden ihre führenden Vertreter gestürzt, verfolgt und hingerichtet.
1791 - 1795
1. Oktober 1791 · Erste Sitzung der Gesetzgebenden Versammlung. Während der kurzzeitigen Existenz dieses Parlaments der konstitutionellen Monarchie bilden sich zwei gegensätzliche Parteien. Die Gironde steht für das gehobene Bürgertum, die Montagnards haben die Unterstützung der Pariser Sansculotten.
März 1792 · Erstes Kabinett der Gironde mit Jean-Marie Roland als Justiz- und Innenminister.
20. April 1792 · Kriegserklärung Frankreichs an Österreich, die maßgeblich von den Girondisten gefordert wurde. Robespierre, Anführer der Montagnards, ist entschiedener Gegner des Krieges.
21. September 1792 · Erste Sitzung des Nationalkonvents nach der Suspendierung des Königtums. Frankreich wird Republik. Die Girondisten bestimmen zunächst weiterhin die Politik.
11. Dezember 1792 · Beginn des Prozesses gegen den König im Nationalkonvent. Während die Montagnards geschlossen für den Tod ohne Bedingungen votieren, verhalten sich die Girondisten uneinheitlich.
18. Mai 1793 · Die Abgeordneten der Gironde setzen im Konvent die Einsetzung einer Kommission der Zwölf ein, deren Aufgabe die Untersuchung von Verschwörungen gegen die Republik ist. Tatsächlich richtet sich der Ausschuss gegen die Sansculotten und Jakobiner von Paris.
31. Mai 1793 · Beginn des Aufstands der Kommune gegen die Girondisten. Die Kommission der Zwölf wird aufgelöst.
2. Juni 1793 · Auf Druck der Kommune von Paris beschließt der Konvent die Verhaftung von 29 Abgeordneten aus den Reihen der Girondisten. Sie werden zum größten Teil unter Hausarrest gestellt. Einige Girondisten fliehen und schließen sich den Aufständischen in der Provinz an.
24. Oktober 1793 · Beginn des Prozesses gegen die Girondisten vor dem Revolutionstribunal.
31. Oktober 1793 · Hinrichtung von 21 Girondisten auf dem Revolutionsplatz in Paris. Unter anderem werden Brissot und Vergniaud guillotiniert.
8. Dezember 1794 · Nach dem Sturz Robespierres dürfen die überlebenden Abgeordneten der Gironde wieder offiziell ihre Sitze im Konvent einnehmen.
22. August 1795 · Der Konvent verabschiedet die Verfassung des Jahres III (Direktorium), die auch von den Girondisten unterstützt wird.
26. Oktober 1795 · Letzte Sitzung des Nationalkonvents.
Zitate
Wenn mein Blut zur Festigung der Freiheit notwendig wäre, würde ich verlangen, dass es vergossen wird. Wenn das Opfer meiner Ehre derselben Sache dienen müsste, würde ich sagen: Nehmt sie mir! Charles Jean Marie Barbaroux, 2. Juni 1793
Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder. Die letzten Worte von Vergniaud, 31. Oktober 1793
Lieber den Tod als die Knechtschaft, das ist der Wahlspruch der Franzosen. Gesang der Girondisten auf dem Weg zur Guillotine, 31. Oktober 1793
Le Moniteur
Mercredi 5 juin 1793. L'an deuxième de la République Française