Madame Élisabeth war die jüngere Schwester von Louis XVI – eine selbstlose, tiefgläubige und willensstarke Frau, die sich mit großer Hingabe um Arme und Bedürftige kümmerte. Sie heiratete nie, obwohl viele Versuche unternommen wurden, eine Ehe mit einem Prinzen an einem fremden Hof zu arrangieren. Sie wollte immer an der Seite ihres Bruders bleiben. Nach dessen Tod stand sie den übriggebliebenen Mitgliedern der Familie bei und spendete den Mitgefangenen Trost. Marie Antoinette richtete ihren Abschiedsbrief in der Nacht vor ihrer Hinrichtung an Élisabeth, doch dieser erreichte sie nie. Für Katholiken und Monarchisten war Élisabeth die letzte Sonne von Versailles in den finsteren Jahren der Revolution. Für die Republikaner war sie nur die Schwester des letzten Tyrannen. Kurz nach ihrem 30. Geburtstag starb sie auf der Guillotine.
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1764 - 1794
3. Mai 1764 · Élisabeth Philippe Marie Hélène de Bourbon wird in Versailles geboren. Sie ist die Tochter des französischen Dauphins, des Sohns von Louis XV, und Maria Josepha von Sachsen.
20. Dezember 1765 · Tod des Vaters.
13. März 1767 · Tod der Mutter. Die knapp 3-jährige Elisabeth ist damit Vollwaise.
1783 · Ihr älterer Bruder, mittlerweile König Louis XVI, schenkt ihr das Anwesen Montreuil, wo sie mittellose Kranke versorgen lässt.
6. Oktober 1789 · Elisabeth zieht mit der Königsfamilie nach Paris.
21. Juni 1791 · Der Fluchtversuch der Königsfamilie, an dem Elisabeth teilnimmt, scheitert in Varennes.
20. Juni 1792 · Pariser Sansculotten dringen in den Tuilerienpalast ein. Elisabeth wird von den Aufrührern für Marie Antoinette gehalten und bedroht. Sie klärt dieses Missverständnis bewusst nicht auf, um ihre Schwägerin zu schützen.
13. August 1792 · Nach dem Sturm auf die Tuilerien wird sie mit den Mitgliedern der Königsfamilie im Temple in Paris gefangengesetzt.
10. Mai 1794 · Elisabeth wird vom Revolutionstribunal zum Tod verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet.
Madame Élisabeth wurde 30 Jahre alt.
Zitate
Sie ist der tröstende Engel der Königin und ihrer Kinder. Die Marquise de Bombelles über Élisabeth während ihrer Gefangenschaft.
Wenn mein Bruder ein Tyrann gewesen wäre, wären Sie nicht dort, wo Sie sind, und ich nicht hier. Élisabeth gegenüber dem Öffentlichen Ankläger Fouquier-Tinville.
Im Namen Ihrer Mutter, bedecken Sie mich, Monsieur! Elisabeth zum Henker Sanson, als dieser ihr das Halstuch von der Schulter riss.