Vor der Revolution führte der Vicomte de Barras ein luxuriöses Leben. Nach dem Sturz des Königs wandelte er sich zum radikalen Revolutionär. Als Konventsabgeordneter in Toulon errichtete er eine Schreckensherrschaft. Aber nach seiner Rückkehr nach Paris musste Barras täglich mit einer Anklage rechnen. Er entging ihr nur, indem er sich in vorderster Front am Sturz Robespierres beteiligte. Sein entschlossenes Vorgehen am 9. Thermidor brachte ihm den entscheidenden Karrieresprung. Kurz darauf wurde er Mitglied des Direktoriums. In dieser von fünf Männern geführten Quasi-Diktatur hielt er bis zum Ende die Stellung. Er war der König der Republik. Als er spürte, dass die Republik ihrem Ende entgegenging, erinnerte er sich an seine Käuflichkeit. Napoleon bestach ihn und drängte ihm zum Rücktritt. Den Rest seines Lebens widmete Barras dem Geldausgeben. JK
1755 - 1829
30. Juni 1755 · Geburt in Fox-Amphoux.
1771 · Kadett im Regiment von Languedoc.
1783 · Nach Teilnahme an einigen Kolonialexpeditionen Austritt aus der Armee.
September 1792 · Abgeordneter des Departments Var für den Nationalkonvent.
Dezember 1793 · Als Konventsbeauftragter betreibt er in Toulon die rücksichtslose Verfolgung von Revolutionsgegnern.
27. Juli 1794 · Am 9. Thermidor wird er vom Konvent zum Oberbefehlshaber der Pariser Truppen ernannt. Es gelingt ihm, den Widerstand der Kommune gegen die Verhaftung Robespierres zu brechen.
5. Oktober 1795 · Erfolgreiche Niederschlagung eines royalistischen Aufstands gegen den Konvent mit Hilfe des jungen Napoleon.
31. Oktober 1795 · Barras wird zum Mitglied des Direktoriums gewählt, der neuen Regierung Frankreichs.
4. September 1797 · Staatsstreich vom 18. Fructidor, Barras festigt seine Vormachtstellung im Direktorium.
9. November 1799 · Er erklärt seinen Rücktritt als Direktor und ermöglicht damit Napoleon die Machtergreifung. Barras zieht sich ins Privatleben zurück.
29. Januar 1829 · Tod in Chaillot.
Zitate
Barras hatte nur einen Grundsatz, nämlich den, keine Grundsätze zu haben. François-Auguste Mignet, französischer Historiker (1796–1884).
Barras war nur darauf bedacht, Geld zu machen. Er unterhielt die verdächtigsten Beziehungen und war bereit, sich an jeden zu verkaufen, selbst an die Bourbonen. Napoleon auf Sankt Helena.
Die Freiheit hat sich vielleicht noch mehr über die Sklaven zu beklagen als über die Tyrannen. Aber der Unterschied ist fein, denn der Grund des Charakters ist bei beiden Arten von Persönlichkeiten derselbe. Nur die Stellung macht einen Unterschied. Paul Barras.