Barère war nie ein Fanatiker. Aber er hatte immer ein Gespür dafür, woher der Wind gerade wehte. Als die Zeiten revolutionär wurden, machte er sich mit Aussagen wie Der Baum der Freiheit kann nur wachsen, wenn er mit dem Blut der Tyrannen gewässert wird! einen Namen unter den radikalen Anhängern der Revolution. So wurde der brillante Rhetoriker in der Zeit des Terrors zum Sprecher des Wohlfahrtsausschusses. Barère agierte lange Zeit an der Seite Robespierres. Aber er ließ ihn fallen, als er merkte, dass dieser nicht mehr zu retten war. Seine Beteiligung am Terror bereitete ihm in der Folgezeit Schwierigkeiten: Er musste sich Anklagen stellen, mehrere Male sogar versteckt halten, bis er unter Napoleon wieder in Paris auftauchen konnte. Zum Ende seines Lebens bereute er – wie viele andere auch – seine Beteiligung am 9. Thermidor. Bertrand Barère wurde 85 Jahre alt und starb als letzter Überlebender des Wohlfahrtsausschusses. JK
1755 - 1841
5. September 1755 · Geburt in Tarbes als Sohn eines Anwalts. Die Mutter, Jeanne-Catherine Marrast, stammte aus einem alten Adelsgeschlecht.
1775 · Zulassung als Rechtsanwalt.
1785 · Heirat mit Catherine-Elisabeth de Monde-Briquet, die dem örtlichen Kleinadel angehört.
1789 · Abgeordneter der Generalstände für die Bigorre.
September 1792 · Abgeordneter des Departements Hautes-Pyrénées für den Nationalkonvent.
7. April 1793 · Wahl in den Wohlfahrtsausschuss.
27. Juli 1794 · 9. Thermidor. Barère beteiligt sich am Sturz Robespierres.
22. März 1795 · Der Konvent beschließt die Anklage Barères wegen seiner Beteiligung an der Terrorregierung und setzt ihn unter Hausarrest.
1. April 1795 · Der Konvent ordnet die Deportation Barères und anderer ehemaliger Terroristen an. Er wird noch in der Nacht, zusammen mit Collot und Billaud, zur Insel Oléron an die französische Atlantikküste transportiert, um von dort nach Guayana verschifft zu werden.
Oktober 1795 · Barère gelingt die Flucht von der Insel Oléron nach Bordeaux, wo er sich über Jahre versteckt hält.
24. Dezember 1799 · Die vom Ersten Konsul Napoleon beschlossene Amnestie bezieht sich auch auf Barère.
1815 · Unter der Restauration wird er aus Frankreich verbannt und zieht nach Brüssel.
1830 · Rückkehr nach Frankreich.
15. Januar 1841 · Tod in Tarbes.
Zitate
Die Royalisten wollen Blut? Nun wohl, sie sollen das der Verschwörer, der Leute wie Brissot und Marie Antoinette fließen sehen. Barère, 5. September 1793.
Die Kraft der Revolutionsregierung wird durch den Sturz des Tyrannen verhundertfacht werden. Barère am 10. Thermidor. Kurz danach beschloss der Konvent, ein Viertel der Ausschussmitglieder monatlich neu zu wählen. Dadurch wurde die Stabilität der Regierung erheblich geschwächt.
Vergesst Robespierre nicht! Er war ein aufrechter Mann und wahrer Republikaner. Barère auf seinem Totenbett, 1841.