Jean-Sylvain Bailly – der Mann des Ballhausschwurs und des Marsfeldmassakers. Am 20. Juni 1789 war er es, der die Vertreter des Dritten Stands zum Schwur auf eine neue Verfassung aufforderte. Damit war die Revolution nicht mehr aufzuhalten. Doch der immer nach Recht und Gesetz handelnde Bailly konnte sich nicht lange halten. Als am 17. Juli 1791 die Pariser Bürgerinnen und Bürger für die Republik demonstrierten, ließ er auf die Menge schießen. Streng nach den Vorschriften des Kriegsrechts. Damit war sein Schicksal besiegelt. Unter dem Jubel des Volkes trat er zwei Jahre später die Fahrt zur Guillotine an. Die Menschen spannten die Pferde aus und zogen ihn zum Richtplatz. Doch das war nicht genug: Bailly musste auf dem Marsfeld viele Minuten lang, den Beschimpfungen des Publikums und dem eisigen Regen ausgesetzt, auf den Tod warten. Ich friere waren seine letzten Worte.
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1736 - 1793
15. September 1736 · Jean-Sylvain Bailly wird in Paris als Sohn einer Künstlerfamilie geboren.
1783 · Als Anerkennung für seine astronomischen, mathematischen und literarischen Leistungen wird er in die Académie française aufgenommen.
Mai 1789 · Abgeordneter des Dritten Standes in den Generalständen.
17. Juni 1789 · Bailly wird erster Präsident der Nationalversammlung, die sich von den Generalständen abspaltet hat.
20. Juni 1789 · Er leitet die Sitzung der Nationalversammlung im Ballhaus. Dort schwören die Abgeordneten, nicht mehr auseinanderzugehen, bis eine Verfassung für Frankreich verabschiedet ist.
15. Juli 1789 · Einen Tag nach der Erstürmung der Bastille wird Bailly zum ersten Bürgermeister von Paris gewählt.
17. Juli 1791 · Nach der Verhängung des Kriegsrechts schießt die Nationalgarde, die von Bailly befehligt wird, auf republikanische Demonstranten auf dem Marsfeld. Etwa 50 Menschen kommen dabei ums Leben.
November 1791 · Bailly legt sein Amt als Bürgermeister nieder und verlässt Paris.
Juli 1793 · Er wird in Melun (Departement Seine-et-Marne) gefasst und inhaftiert.
14. Oktober 1793 · Bailly sagt im Prozess gegen Marie Antoinette als Zeuge aus und weist Anschuldigungen gegen sie zurück.
11. November 1793 · Er wird als Freund des Königs und Unterdrücker der Volksfreiheit vom Revolutionstribunal zum Tod verurteilt.
12. November 1793 · Hinrichtung auf dem Marsfeld in Paris.
Jean-Sylvain Bailly wurde 57 Jahre alt.
Zitate
Mir scheint, dass die versammelte Nation keine Befehle entgegennehmen kann. Bailly am 23. Juni 1793, als der Zeremonienmeister die Abgeordneten aufforderte, dem Befehl des Königs zum Auseinandergehen zu folgen.
Heinrich IV. hatte sein Volk zurückgewonnen, Frankreich hat seinen König zurückgewonnen. Bailly beim Empfang von Louis XVI im Rathaus von Paris.
Ja, aber nur wegen der Kälte. Antwort Baillys auf die Frage, ob er zittere, kurz vor seiner Hinrichtung.