Die Französische Revolution | Girondisten
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Girondisten


Die konservativen Revolutionäre


GirondistenAls Girondisten wurden Abgeordnete des National­konvents bezeichnet, die vornehmlich aus dem Departement der Gironde stammten. Von 1792 bis Anfang 1793 beherrschten sie die Politik. Sie erstrebten eine föderale Republik nach dem Vorbild der Schweiz und der USA. Der Machtkampf zwischen ihnen und ihren radikalen Gegnern (Montagnards) wurde am 2. Juni 1793 durch die Verhaftung von 29 girondistischen Abgeordneten beendet. In der Geschichtsschreibung wird die Gironde sehr unterschiedlich bewertet. Allgemein werden diese liberal-bürgerlich gesinnten Abgeordneten als Opfer der extrem revolutionären Bergpartei angesehen. Jedoch haben die Girondisten durch ihre Befürwortung des Krieges einen erheblichen eigenen Anteil an der Radikalisierung der Revolution zu verantworten. Sie zeigten sich oft inkonsequent, zum Beispiel in ihrer Haltung beim Prozess gegen den König. Die führenden Girondisten, unter ihnen Brissot und Vergniaud, wurden am 31. Oktober 1793 hingerichtet.



Zitate

Der Konvent darf nicht danach streben, die Zahl der Schuldigen zu vermehren, er muss sich an die Führer der Faktion halten.
Robespierre im Oktober 1793, nachdem Amar gefordert hatte, 73 girondistische Abgeordnete verhaften zu lassen, die gegen die Inhaftierung der führenden Girondisten am 2. Juni 1793 protestiert hatten

Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder.
Die letzten Worte von Pierre Vergniaud, führender Girondist, vor seiner Hinrichtung am 31. Oktober 1793


Fundstellen

Brissot, der eigentliche Staatsmann der Gironde, war ein Redner von wenig Ausstrahlungskraft, und so fiel vor allem dem eloquenten Vergniaud die Aufgabe zu, den Standpunkt der Gruppe auf der Rednertribüne der Legislative und des Konvents zu vertreten.
Peter Fischer: Reden der Französischen Revolution, S. 443

Auch die Girondisten wollen den Krieg, besonders der markanteste unter ihnen, Brissot. Ihre Beweggründe sind simpel. Sie hoffen, dadurch die Revolution zu konsolidieren und das Königtum zu zwingen, ihr ohne heimlichen Vorbehalt Gefolgschaft zu leisten.
Octave Aubry: Die Französische Revolution I, S. 391

Die Politik der Gironde war in ihrer ursprünglichen Form kaum etwas anderes gewesen als eine Gelegenheit, brandstifterische Redeübungen zu halten. Die Begegnung mit der Wirklichkeit zwang sie nun Gestalt anzunehmen. Brissot hatte schon sechs bis acht Monate lang großspurige Drohungen ausgestoßen; nun war es an der Zeit, zu zeigen, was daran echt sei […]
Pierre Gaxotte: Die Französische Revolution, S. 255

Die Girondisten fürchteten vom Aufruhr, der sich neben ihnen vorbereitete, fortgeschwemmt zu werden und unternahmen verzweifelte Anstrengungen, um die Macht durch parlamentarische Mittel wieder an sich zu reißen.
Pierre Gaxotte: Die Französische Revolution, S. 229 (über die Situation vor dem 10. August 1792)

Die Gironde, die ehemalige Linke der Gesetzgebenden Versammlung, hat ihre Sitze auf der Rechten und ist republikanisch, demokratisch, parlamentarisch und antiklerikal gesinnt. […] Sie wünschen eine ordentliche und geachtete Regierung, die nach revolutionären Grundsätzen arbeitet, aber, einmal gewählt, vor den Aufständen und Handstreichen des Faubourg Saint-Antoine sicher sein soll. […] Achtung des Eigentums, freier Wettbewerb und freier Warenverkehr bilden die Grundlagen ihrer Wirtschaftspolitik.
Pierre Gaxotte: Die Französische Revolution, S. 240

Marat fordert unersättlich Opfer. In seinem Ami du Peuple, auf Nacht für Nacht angeschlagenen Plakaten ruft er mit großem Geschrei nach neuen Hekatomben. Er beschimpft die Girondisten, bedroht die National­versammlung, die er insgesamt aufs Schafott zu schicken gedenkt.
Octave Aubry: Die Französische Revolution I, S. 489 f.

Die Girondisten, diese geistvollen jungen Leute, zappeln im Netz: Das haben sie nicht gewollt. Sie haben Revolution gemacht, um das Recht zu vermenschlichen, sie wollen den König nicht gelten lassen, aber sie wollen ihn auch nicht ermorden, sie wollen etwa nach dem Grundsatz handeln: Ein König ist auch ein Mensch!
Friedrich Sieburg: Robespierre, S. 185 f. (über die Girondisten beim Königsprozess)

[…] erst am 15. Februar [1793] hatte Condorcet im Namen eines ganz aus Girondisten bestehenden Ausschusses einen Verfassungsentwurf vorgelegt, den Robespierre sofort als hinterlistigen, von den Intriganten entworfenen Plan beurteilte. Der Entwurf Condorcets hatte selbst seine politischen Freunde derart enttäuscht, dass er im allgemeinen Einverständnis für zwei Monate begraben wurde.
Jean Massin: Robespierre, S. 241 f.

Die Gironde, in Paris von der Minderheit mit Hilfe des Straßenpöbels bedroht, hatte sich hilferufend an Frankreich, an die Departements, deren Abgeordnete sie waren, gewandt, aber Paris hatte zugeschlagen. Der Spuk war zerstoben, die großen Girondisten waren in die Gefängnisse geworfen und dem Tod überantwortet worden.
Otto Zierer: Robespierre, S. 414

Am 3. Oktober [1793] legt Amar dem Konvent endlich den Bericht des Sicherheits­ausschusses über die Girondisten vor. Er erhebt nicht allein Anklage gegen die Führer der Girondisten, das heißt diejenigen, gegen die der Aufstand des 2. Juni gerichtet war, und diejenigen, die in der Folge bei der föderalistischen Rebellion die Initiative ergriffen hatten, sondern auch gegen die Dreiundsiebzig, die weniger bekannten Deputierten, die gegen den 2. Juni protestiert hatten.
Jean Massin: Robespierre, S. 296

Am Fuße des Schafotts umarmen sie sich und stimmen den Gesang an: Weit eher Tod als Sklaverei! Ist der Franzosen Feldgeschrei… Der Gesang wird leiser in dem Maße als das Fallbeil die Reihen der Sänger lichtet. Achtunddreißig Minuten… Eine einzige Stimme ertönt noch, die von Vigée, der als letzter auf die schlüpfrige Plattform steigt. Dann Stille…
Octave Aubry: Die Französische Revolution II, S. 84 (über die Hinrichtung der führenden Girondisten)

Vielleicht wurde er [Vergniaud] gerade wegen seiner Unentschiedenheit und der Vorliebe für die Form der exemplarische Redner der Gironde.
Peter Fischer: Reden der Französischen Revolution, S. 443 f.


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