Die Französische Revolution | Joseph Fouché (1759 - 1820)
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Joseph Fouché (1759 - 1820)


Der vollendete Verräter


Joseph FouchéMit einem genialen Gespür für das jeweils politisch Korrekte ließ der ehemalige Priester Joseph Fouché Kirchen plündern und in Lyon Tausende hinrichten, um kurz darauf politische Mäßigung zu predigen. Ohne ihn wäre der 9. Thermidor nicht möglich gewesen. Es ist bezeichnend für seinen Charakter, dass er an dem großen Tag des Sturzes Robespierres nicht anwesend war – hatte er doch bereits im Hintergrund alle Fäden gezogen. Er war der Regisseur dieses Tages. Und als es darum ging, die Republik endgültig zu beerdigen, war er wieder dabei: Er verhalf Napoleon Bonaparte in den Sattel des Ersten Konsuls und schließlich auf den Kaiserthron.


Joseph Fouché…



Zitate

Die Urteile dieses Tribunals mögen dem Verbrecher Schreck einflößen, aber sie beruhigen und trösten das Volk, das ihnen Gehör schenkt und sie billigt. Zu Unrecht denkt man von uns, wir hätten den Schuldigen auch nur ein einziges Mal die Ehre einer Begnadigung erwiesen: Wir haben nicht eine einzige gewährt!
Joseph Fouché über die Bestrafung der Stadt Lyon

Das ist richtig, Sire. Es war der erste Dienst, den ich Eurer Majestät habe leisten können.
Antwort Fouchés auf die provokante Frage des Kaisers Napoleon, ob er für den Tod Ludwig XVI. gestimmt habe


Fundstellen

Endlich wird der Deputierte Joseph Fouché de Nantes vorgerufen, derselbe, der noch gestern zuverlässig den Freunden versicherte, er werde mit hinreißender Rede das Leben des Königs verteidigen, der vor zehn Stunden noch den Entschlossensten aller Entschlossenen gespielt. Aber inzwischen hat der ehemalige Mathematiklehrer, der gute Rechner Fouché die Stimmen gezählt und gesehen, dass er damit zur falschen Partei käme, zur einzigen, zu der er sich nie bekennen wird: zur Minorität. So steigt er mit seinen lautlosen Schritten hastig die Tribüne empor, und von seinen blassen Lippen flüchten leise die beiden Worte la mort, der Tod.
Stefan Zweig: Joseph Fouché, S. 33

[…] in Lyon, wo Collot d'Herbois und Fouché jeweils schubweise morden lassen: An die zweitausend Verdächtige werden erschossen oder mit Kanonen zusammenkartätscht.
François Furet: Die Französische Revolution, S. 313

Während sich Couthon damit begnügte, einige Häuser an der Place Bellecour einreißen zu lassen, organisierten Collot d'Herbois und Fouché, die am 7. November [1793] eintrafen, die Repressionsmaßnahmen im großen Stil; eine Revolutionskommission trat an die Stelle der als zu nachgiebig beurteilten Volksjustizkommission und fällte 1667 Todesurteile; Gewehr- und Kartätschenfeuer ersetzten die zu langsame Guillotine.
Albert Soboul: Die Große Französische Revolution, S. 308 (über die Bestrafung der Stadt Lyon)

Fouché machte sich nichts aus philosophischen Überlegungen […]. Für ihn hieß die Revolution retten zuerst die Revolutionäre retten und an erster Stelle den Revolutionär Fouché.
Pierre Gaxotte: Die Französische Revolution, S. 419


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